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SILVESTER

Schon lange feierte man das alte heidnische, mit dem Christentum verquickte Fest – benannt nach Papst Silvester, der 335 n.u.Z. starb – mit Peitschenknallen, Trommeln, Dudelsack und dem Rummelpott (ein niederdeutsches Lärminstrument), mit Turmblasen in den Städten und dem Dreschen auf den Dielen, und dann in jüngerer Zeit, mit dem Neujahrsschießen, Feuerwerk, Knallfröschen, Raketen, Böller und den Knallen von Sektkorken. Auch die Kirche läutet das Neujahrsfest mit ihren Glocken ein. Das Lärmen ist wichtig um das Neue Jahr gebührend zu begrüßen und auch um ungute Geister zu vertreiben, damit es ein gutes neues Jahr werden kann.

Glücksbringer zu Neujahr

Als Glückszeichen zum Neujahrsfest gehören kleine Glückspilze aus Marzipan, in Erinnerung an vorchristliche Zeiten, als der Fliegenpilz von den heidnischen Seherinnen und Schamanen (Zauberern) eingenommen wurden, um zu den Zwergen, Göttern und Ahnen zu reisen, die der Menschenwelt in den Wintersonnwendnächten ganz nahe sind. Auch ein Marzipanschweinchen gehört zu unserem Neujahrsfest; es ist eine Erinnerung an Freyrs goldborstigen Eber, der das, während der heiligen Zeit stillstehende Jahresrad, mit seiner Kraft anschiebt, so dass es wieder zu drehen beginnt. Der schwarze Schornsteinfeger (Kaminkehrer) ist ebenfalls ein Glücksbringer, da er den Schornstein (Rauchfang, Esse), diesem Eingang der Geister ins Haus, reinigt, so dass die guten Geister Einzug halten können. Auch der Glücksklee verdient Erwähnung; der sehr seltene, vierblättrige Klee (Trifolium repens) war schon den Kelten heilig. Inzwischen mogeln wir mit einem Sauerklee (Oxalis tetraphylla) aus Mexiko, der kein wirklicher Klee ist, aber immer vier Blätter hervortreibt. Der Glücksklee versinnbildlicht unter anderem die vier Jahreszeiten (das Jahreskreuz).

Die Orakel

In den Zwölfernächten gehen die Geistwesen um. Je nach lokaler Tradition sind es der Schimmelreiter, die Aschenmutter, die Holle, die Percht oder Berchteli, die Ahnen, Götter und andere Geister. Hier und da stellte man einen Teller mit dem Lieblingsgericht eines Verstorbenen mit auf den Tisch und lud ihn ein mitzuspeisen.  Da sie so nahe sind, kann man die Geister mit Orakel befragen – das heißt, fall sie einem nicht schon in den Träumen erschienen sind oder sich in Zeichen (Omen) in der Natur offenbart haben. Vielerorts kennt man das Bleigießen oder (in England) das Knacken von Haselnüssen im Kaminfeuer als Orakel.

Quelle: Wolf-Dieter Storl